Foto: Fotolia/Gina Sanders

Nachts im Museum? Nein, nachts auf der Baustelle!

Die Baugrunduntersuchungen zwischen Hannover und Celle kommen planmäßig voran und verursachen deutlich weniger ruhestörende Geräusche als vielerorts befürchtet. Um den Zugverkehr an dieser Strecke nicht zu beeinträchtigen, wird nachts gearbeitet. Der Boden im Gleisbereich wird in einer Tiefe von bis zu 15 Metern untersucht und die Proben anschließend im Labor geprüft. Dadurch werden wichtige Erkenntnisse zu den Eigenschaften und zur Tragfähigkeit des Untergrunds gewonnen. Diese Kenntnisse zur Klassifizierung fließen später in die Planung ein, welche Baumaßnahmen notwendig sind, um die Strecke für die Zukunft fit zu machen.

Das Erkundungsprogramm für die Bodenuntersuchungen sieht Rammsondierungen und Rammkernsondierungen vor. Obwohl für die nächtlichen Arbeiten moderne, lärmgedämpfte Geräte und Maschinen zum Einsatz kommen, lassen sich ruhestörende Geräusche nicht ganz vermeiden. Um die Arbeiter im Gleisbereich trotz dieser Umgebungsgeräusche zu schützen, warnt modernste Sicherungstechnik optisch und akustisch vor herannahenden Zügen. Diese automatischen akustischen Warnsignale sind den gesetzlichen Vorschriften entsprechend dimensioniert und den Gegebenheiten angepasst. Konkret heißt das, dass sie mit den Arbeiten mitwandern und dadurch ganz punktuell und nur am Ort des Geschehens einige wenige akustische Warnsignale abgeben und danach optisch vor einer potentiellen Gefahrensituation warnen.

Neben dieser örtlich sehr fokussierten Warnung der Bautrupps gibt es einen weiteren Clou: die akustischen Warnsignale haben eine automatische Pegelanpassung, wodurch sich der Warnton den Umgebungsgeräuschen anpasst. So warnen die Anlagen in solchen Momenten deutlich leiser, in denen gerade keine Baumaschinen zum Einsatz kommen, beispielsweise beim Vorbereiten einer Sondierung oder beim Entnehmen und Sichten der Proben. Während der Sondierung hebt sich das Niveau des Warntons an, um die Arbeiter auf Gefahrensituationen hinzuweisen. Generell besteht die Warnung, die bei einem herannahenden Zug ausgelöst wird, aus einem rund 5 Sekunden anhaltenden Warnton, auf den eine visuelle Warnung erfolgt. Das Blinklicht erlischt sobald der Zug die Baustelle passiert hat.

Fotos: Deutsche Bahn AG/Armin Skierlo

„Das besondere bei diesen Arbeiten ist, dass wir auf ‚schweres Gerät‘ verzichten können, und die Proben mit vergleichsweise kleinen und entsprechend leisen Geräten entnehmen. Die Sicherung des Bautrupps ist diesen Gegebenheiten angepasst. Beides führt dazu, dass unsere Arbeiten die nächtliche Ruhe nur in relativ geringem Umfang stören. Bei anderen Nachtbaustellen rufen mich hin und wieder Anwohner nachts an und erkundigen sich nach dem Krach. Hier hingegen wurde ich am kommenden Tag angerufen und lediglich gefragt, ob die Baustelle letzte Nacht ausgefallen sei oder verschoben werden musste, da die Anwohner nichts gehört hatten“, schildert Bauleiter Adnan al Saadi (links im Bild) seine Eindrücke zu den aktuellen Arbeiten.

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